Trinkhörner, Comeback alter Trinkkultur

Als Trinkhorn bezeichnet man ein schon im Altertum gebräuchliches Trinkgefäß, das ursprünglich aus Tierhörnern (Wisenten oder Auerochsen) angefertigt wurde. Später zur Zeit verfeinerter Kultur bildeten die Griechen Trinkhörner in Ton und Metall nach. In manchen Kulturen wurde gleichzeitig ein so genanntes Rhyton genutzt, aus dem im Unterschied zum normalen Trinkhorn aus der offenen Spitze, und nicht aus der großen Mündungsöffnung, getrunken wurde.

TrinkhörnerBild: Trinkhörner schleifen © Rewa Kasor

Zu dem netten Namen „Mondtassen“ für Trinkhörner kam es auf einem Markt in Harburg. Wir hatten einen genialen Standplatz in einem Mauereck, hatten unsere Ruhe und konnten uns so mal langsam an die Kunden und vor allem deren Wünsche herantasten. Gerade als es etwas ruhiger wurde, eilte eine Mutter mit ihrem kleinen Mädchen an unserem Platz vorbei. Die Kleine blieb stehen, deutete auf unseren Stand und rief: „Mama guck mal! Da gibt es Mondtassen!“ Fragt mich nicht warum, aber dieses Wort hat mich all die Jahre nicht losgelassen, weil ich`s einfach nur nett finde.
Und wenn wir ehrlich sind: Recht hatte die Kleine doch, oder?
 

Trinkhörner bei Caesar

Bereits Gaius Iulius Caesar schrieb in „De bello Gallico“ (Buch 6, Kap. 28) über Trinkhörner:
Man gibt sich deshalb viel Mühe, sie in Gruben zu fangen und zu töten: ein mühevolles Jagdgeschäft, in dem sich die jungen Leute üben und abhärten; großes Lob erhält deshalb, wer die meisten erlegt hat und zum Beweis der Tat die Hörner der Tiere dem Volk aufweist. Der Auerochse wird übrigens nie zahm und gewöhnt sich nicht an die Menschen, auch wenn man ihn ganz jung einfängt; seine Hörner sind an Weite, Gestalt und Aussehen von den Hörnern unsere Ochsen sehr verschieden; man sucht sie eifrig, fasst den Rand mit Silber ein und verwendet sie bei glänzenden Festmählern als Becher.

TrinkhörnerBild rechts: Gravierte Trinkhörner © Rewa Kasor

Geschichtlicher Hintergrund

Die wahrscheinlich älteste Abbildung eines Trinkhorns ist die Venus von Laussel, eine vor ca. 25.000 Jahren in Frankreich angefertigte Kalksteinfigur. Ob es sich dabei tatsächlich um ein Trinkhorn handelt ist heute nicht mehr festzustellen, da Hörner auch als Farb- und Nahrungsbehälter gedient haben können, jedoch spricht der Gestus der Frau, die das Horn mit der Mündung zum Gesicht führt, stark für eine Nutzung als Trinkgefäß.

Archäologische Nachweise zur Verwendung von Trinkhörnern, in Form von Metallbeschlägen und Aufhängegarnituren, stammen bereits aus der Bronzezeit. Eine beeindruckende Sammlung von neun mit Bronze und Gold beschlagenen Trinkhörnern wurde dem so genannten Keltenfürst von Hochdorf mit ins Grab gegeben. Ebenfalls bemerkenswert sind die Trinkhornfunde von Sutton Hoo und Taplow aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. Außerdem wurden in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends auffallend viele Trinkhörner aus Glas angefertigt, die vom rheinischen Raum aus bis nach Skandinavien gehandelt wurden. Aufgrund der oft aufwändigen Verzierungen mit wertvollen Materialien werden Trinkhörner oft als repräsentative Trinkgefäße für besondere Anlässe, wie zum Beispiel einem offiziellen Willkommenstrunk, oder auch für kultisch religiöse Handlungen aufgefasst. Im Jahr 2003 wurde in Prittlewell eine Grabkammer aus dem 7. Jahrhundert entdeckt, die ebenfalls mit Trinkhörnern und anderem Essgeschirr ausgestattet war und möglicherweise die Grabstätte des Königs Sæberht war.
Quelle: „Geschichtlicher Hintergrund“ Wikipedia (Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.)
 


 
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