Trinkhörner selber herstellen – Dreck und Gestank!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Trinkhörner selber herstellen wird heute auf diese Art nicht mehr funktionieren. Früher sind wir mit dem Anhänger zum Schlachthof gefahren. Für `ne Flasche Korn wurde uns das Ding vollgeschmissen und das war`s. Heute stehen dieser und auch der weiteren Vorgehensweise das „Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz (TierNebG)“ und andere Rechtsvorschriften im Weg. Ja ja, die „gute alte Zeit“ …

Dennoch möchte ich euch die Vorgehensweise einmal erklären. Die Hörner, die wir heute aus Indien oder woher auch immer importieren, weil „deutsche“ Hörner zumeist in der Verbrennungsanlage enden, werden nämlich meist noch genau so produziert.

Trinkhörner selber herstellen

Das Ausgangsmaterial

Ich erinnere mich noch gut, wie ich mal meine damalige Freundin zum Schlachthof mitgenommen habe. Sie wusste nicht, was sie zu sehen bekommen würde. Na, das war vielleicht ein Spaß! Die Jungs haben gegrölt, als sie hemmungslos auf den Hof gekotzt hat. Auf dem Rückweg dann eine Polizeikontrolle. Da hat sie sich an mir gerächt. Auf die Frage der „Volkspolizisten“, was denn das im Anhänger wäre hat sie tatsächlich gesagt: „Das sind die Hörner, die ich meinem Freund aufgesetzt habe!“ FRAUENS! Ich muss wohl nicht hinzufügen, wer dann gegrölt hat, oder?

Das Bild links ist vielleicht etwas „gewöhnungsbedürftig“. Aber hier sieht man recht gut, dass die Hörner (noch) nicht hohl sind. Jedes Horn wird nach dem Schlachten am Schädel abgeschnitten und man erkennt, dass in dem Horn noch der sogenannte Hornzapfen ist. Bei einigen Hörnern etwas blutig, was sagt, dass dieses eher schwammartige, poröse Material durchblutet ist.

Für die Watussi-Rinder in Afrika, die weitaus größere Hörner haben, dienen diese als Klimaanlage. Das Blut fließt in die Hörner, kühlt dort ein bis zwei Grad ab und fließt gekühlt in den Körper zurück. Schon faszinierend, was die Natur so drauf hat.

Trinkhörner selber herstellen

Lecker Suppe

Die Hörner müssen ausgekocht werden, weil der Zapfen fest mit dem Horn verbunden ist. Eigentlich nur durch eine gallertartige Masse an der Spitze und an der Öffnung. Aber die kann oft recht … hartnäckig sein. Im Extremfall mussten einige Hörner zwölf mal wieder ins Wasser, bis der Zapfen endlich losgelassen hat.

Durch das Wässern und Kochen wird das Horn weich. Wenn unsereiner in der Badewanne liegt, werden Fuß- und Fingernägel auch weich. Aus keinem anderen Material bestehen die Hörner. So hat man die Chance, das „Gelee“ an der Öffnung mit dem Messer herauszubekommen und wenn man Glück hat, reicht ein liebevoller Schlag mit dem Horn auf den Rasen und der Zapfen rutscht raus. Kam auch schon vor, dass der Zapfen schon flog, als ich das Horn über die Schulter gehoben hab.

Zu der Zeit hatte fast jeder von uns jungen Burschen einen Hund. Die waren beim Auskochen immer dabei. War der Tag vorbei, dann waren wir entweder fix und foxy von der Arbeit oder reichlich „angeraut“. Meist beides gleichzeitig. Unsere verfressenen Köter jedenfalls waren kaum noch zu überzeugen, nach Hause zu gehen. Dafür war von den Hornzapfen auch nix mehr zum sehen. Gekochte Hornzapfen sind für Hunde das reinste „Fresspulver“. Trinkhörner selber herstellen war bis zu dem Punkt eher Party als Arbeit.

Horn und Hornzapfen

Da isser ja!

Manchmal ist es so, dass das Horn so mit dem Zapfen fest verwachsen ist. Dann bleibt nur, rundherum einen Ring des Hornes abzusägen. Mit einem Korkenzieher wird in den Zapfen gebohrt (ist bei porösem Material immer ein Glückspiel) und kräftig gezogen. Ab und an kommt auch der Schraubstock zum Einsatz. Zapfen einspannen, am Horn ziehen. Ok … Dass ich mir so schon des Öfteren ein Horn ans Hirn geschlagen hab, is klar oder? Und vor allem hab ich auch schon schön „Hornzapfenbrösel“ produziert. Weil das Material wird durch längeres Auskochen ja auch nicht fester. Am Ende habe ich manche Zapfen mit Hammer und Meißel raus geschlagen.

Es gibt Leute, die graben die Hörner in Ameisenhaufen. Nach einem Jahr können sie sie ausgraben und den Zapfen entfernen. So lang hab ich keine Zeit. Verbietet sich heute eh aus Gründen des Natur- und Seuchenschutzes sowie einer endlosen Liste von Rechtsvorschriften. Und „meine“ Ameisen mochten Hörner ohnehin nicht wirklich.

Auf dem Bild sieht man rechts den Hornzapfen, der in dem Horn links steckte. Man erkennt auch sehr gut, wie die Horngrößen entstehen. Je nachdem wie massiv die Spitze ist, desto mehr wirkt sich das auf die Füllgröße aus. Aber ihr könnt euch sicher auch vorstellen, dass man an so einem Zapfen schon mal kräftig zerren muss.

Trinkhörner selber herstellen

Dreck, Wellen, Risse, Luftblasen …

Oh ja, auf dem Bild rechts ist tatsächlich ein zukünftiges Trinkhorn zu sehen! Und das Teil ist schon mehrfach ausgekocht und sogar schon ganz grob geglättet! Die meisten Hörner sehen so oder noch sehr viel mehr ramponiert aus. Ist ja auch kein Wunder, wenn die Zottelviecher das ganze Jahr draußen sind, mal kämpfen, mal durch Büsche streichen oder irgendwo hängen bleiben. So kommts, dass man „Einiges“ in den Hörnern findet. Dunkle Flecken sind quasi „blaue“ Flecken (wobei man wieder merkt, dass in den Hörnern sehr wohl Leben drin ist.). Luftblasen, in denen beim Schleifen Dreck zum Vorschein kommt, rauben einem oftmals den Nerv. So kommt es auch, dass ein Horn nicht immer ganz gerade sein kann. Minimale Wellen oder dünnere Stellen zeugen davon, dass das Horn echt ist. Gerade, wenn man sich Trinkhörner selber herstellen will, ist das nahezu unvermeidbar.

Solch ein Rohling ist natürlich nicht als Trinkhorn geeignet. Von Fragen der Hygiene mal abgesehen, würde man sich damit vermutlich eher Lippen und Zunge aufschneiden, als einen ordentlichen Schluck Met nehmen zu können.

Und damit ist der Spaß auch schon vorbei. Jetzt kommt die echte Knochenarbeit. Trinkhörner selber herstellen ist wirklich harte Arbeit. Spätestens dann, wenn es ans Schleifen geht. Und daran führt einfach kein Weg vorbei!

Schleifen

Schleifen bis der Arzt kommt

Jetzt kommt das Schleifen. Erst grob, den größten Dreck weg, Wellen und Unebenheiten ausgleichen. So wie die Schleifmaschine aussieht, sieht man selbst danach auch aus. Der feine Schleifstaub schafft es in die allerkleinsten Ritzen, er ist einfach überall. Und es stinkt grauenvoll! Schon mal gerochen, wenn Haare brennen? Genau so stinkt es beim Schleifen. Da sitzt man dann stundenlang in gebeugter Haltung voll konzentriert am Schleifband und muss dazu noch diesen Gestank aushalten. Oder man stellt solange das Atmen ein. Ist aber irgendwie keine gute Alternative.

Angefangen wird mit recht grobem Schleifleinen so um die 80er Körnung. Mit jedem Durchgang wird dann feineres Schleifleinen verwendet, bis hin zur 2000er Körnung. Für die, die sich damit nicht auskennen: Mit 2000er Körnung kann man sich auch schon mal die Fingernägel polieren oder etwas Hornhaut entfernen. Glatt, wie ein Kinder-Popo haben wir damals dazu gesagt. Aber es trägt immer noch allerfeinste Partikel ab und unser eigenes Trinkhorn soll ja auch schmuck aussehen, oder?

Trinkhörner selber herstellen

Polieren & Versiegeln

Mit dem Schleifen allein ist es aber noch nicht getan. Damit das Horn schön glänzt, muss es noch poliert werden. Dazu hat wohl fast jeder, der sich damit befasst, sein eigenes Rezept. Von Schleifpaste aus dem Baumarkt über Zahnpaste bis hin zu feinstem Tonschlamm und zermahlenen Walnussschalen ist alles vertreten. Auch Leder, trocken, mit Wasser befeuchtet oder mit einem Öl-Schleifmittelgemisch beschichtet kommt zur Anwendung.

Auf dem Bild ist das Horn links fertig geschliffen. Sieht noch so gar nicht nach schönem Trinkhorn aus. Aber für mich kommt dann immer der schönste Teil: von der Kohle zum Diamanten. Erst das Polieren bringt die endgültige Farbe des Horns zum Vorschein. Rechts im Bild seht ihr ein Horn, wie es nach dem Polieren aussieht. Krasser Unterschied, oder?

Die letzten Schritte

Nur sind sie dann aber immer noch nicht fertig. Sie müssen innen noch gut gereinigt und desinfiziert werden. Das dauert so an die zwei Tage. Oft kommts vor, dass unten in der Spitze noch etwas von der Geleemasse hängt. Dann kann sich die Prozedur schon mal ein paar Tage verlängern.

Wenn sie endlich sauber sind, werden sie versiegelt. Dafür werden sie mit einem lebensmittelechten Öl ausgeschwenkt und getrocknet. Dauert auch wieder drei Tage. Man könnte diesen letzten Schritt weglassen. Mag aber kaum einer. Weil anfangs würde es einfach nach nassem Hund riechen. Nicht so prickelnd für ein Trinkhorn. Wenn man aber zum Beispiel immer nur Bier daraus trinken würde, nimmt das Horn mit der Zeit den Geschmack von Bier an. Füllt man es dann mit Wasser, wird dieses eher nach Bier schmecken. Eine echte Alternative ist das aber wirklich nicht!

 


 
Für alle Bilder zu „Trinkhörner selber herstellen“ gilt: © Rewa Kasor
 
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